Belarus

2025 hat Green Cross Switzerland (GCCH) die Projektarbeit in Belarus pausiert, um sich ab 2026 neu auszurichten. Davon unberührt bleibt die Unterstützung der Grundinfrastruktur von Green Cross Belarus, damit die bisherige Arbeit fortgeführt werden kann. Die Zielsetzung bleibt bei den zukünftigen Projekten unverändert: GCCH engagiert sich weiterhin für die Gebiete und Menschen, die besonders stark von den gravierenden Spätfolgen der Tschernobylkatastrophe betroffen sind. Für diese Menschen wollen wir Zukunftsperspektiven vor Ort schaffen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten, damit sie ihre Lebensumstände auf Dauer verbessern können. Der Fokus soll neu noch stärker auf der Förderung von erneuerbaren Energielösungen und der Erholung der Natur liegen.

Im Folgenden beschreiben wir die aktuelle Situation im Projektland sowie die Grundstruktur der bisherigen Projektarbeit.

Vier Jahrzehnte nach dem schwersten Nuklearunfall der Geschichte bleiben die Folgen für Belarus gravierend (hier erfahren Sie mehr zur Tschernobylkatastrophe). Die Radioaktivität betrifft Kinder in besonderem Ausmass. Ihr Immunsystem ist geschwächt und sie weisen ein erhöhtes Risiko für Krebs sowie andere Krankheiten und gesundheitliche Probleme auf. Die Tschernobylkatastrophe hat jedoch nicht nur schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch die wirtschaftliche und soziale Situation in den betroffenen Gebieten.

Die auch durch den Wegzug von Fachkräften bedingte Armut, der Mangel an Arbeitsplätzen, eine durch die Abwanderung von jungen Menschen alternde Bevölkerung, die sich zunehmend vergessen fühlt – gleichzeitig eine viel zu spärliche Unterstützung von internationaler Seite. Dies alles kennzeichnet das von Tschernobyl am stärksten betroffene Gebiet in Belarus. Als eine der wenigen Organisationen, die bis heute in diesem Gebiet aktiv geblieben sind, sehen wir uns in der Verantwortung, den dort lebenden Menschen zur Seite zu stehen.

Child and Youth Programme

Das «Child and Youth Programme» (Kinder- und Jugendprogramm) basiert auf der Überzeugung von GCCH, dass der Bildung eine Schlüsselrolle zukommt, um nachhaltige – langfristig wirksame – Hilfe und effektive Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Im Rahmen dieses Programms werden zahlreiche Kinder und Jugendliche aus ländlichen Regionen gefördert. Es stärkt wichtige Kompetenzen sowie das kreative Potential der Teilnehmenden und verbessert somit ihre Zukunftsperspektiven, aber auch das gesellschaftliche Miteinander.

Zum Programm, welches sowohl physisch vor Ort als auch online durchgeführt wird, gehört die Teilnahme an Workshops, Bildungsmodulen und Jugendcamps. Die Kinder und Jugendlichen beteiligen sich zudem an einem internationalen Kinderkunstwettbewerb. In den Bereichen des «School Gardening» und der Umweltbildung findet eine Kooperation mit einem Netzwerk von Schulen im ländlichen Raum statt.

Mit diesen Formaten werden die jungen Menschen in die Lage versetzt, Wissen zu erwerben, Talente zu entwickeln und Selbstvertrauen aufzubauen, um ihre Zukunft zu gestalten. Sie werden dazu ermutigt, sich in ihren lokalen Gemeinschaften zu engagieren. So können sie letztlich einen Beitrag gegen die Abwanderung in die Städte und für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Region leisten.

Family Programme

Das Programm zielt darauf ab, ländliche Gemeinden in dem von Tschernobyl am stärksten betroffen Gebiet zu stärken. Dieses Ziel soll durch die Förderung des sozialen Zusammenhalts, die Verbesserung der Selbstversorgung und die Pflege von kulturellen Errungenschaften erreicht werden.

Durch lokale Familienclubs, Gemeinschaftsveranstaltungen und praxisorientierte landwirtschaftliche Initiativen unterstützt das Programm Familien dabei, ihre schwierige Situation besser bewältigen zu können, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern und ein gesundes, lebendiges Dorfleben zu schaffen. Ausserdem gefördert werden die Vermittlung von Wissen und die Entwicklung von Strategien zur Stärkung des langfristigen Engagements der lokalen Bevölkerung, um der Landflucht entgegenzuwirken.

Zu den wichtigsten Komponenten des Programms gehören:
1) Familienclubs, die Menschen auf dem Land in der Region um Tschernobyl unterstützen und ihnen als Anlaufstelle für Aktivitäten dienen
2) Gemeinschaftsveranstaltungen und -feiern zur Erhaltung kultureller Traditionen und zur Förderung des Gemeinschaftsgeistes
3) Die «Social Gardening»-Initiative: Sie beinhaltet eine praxisorientierte Ausbildung und einen Wissenstransfer im Bereich der ökologischen Landwirtschaft für Kinder und Familien. Zudem wird der Aufbau von landwirtschaftlicher Infrastruktur unterstützt, beispielsweise von Bewässerungssystemen. Dazu gehört auch die Bereitstellung der erforderlichen Materialien und Werkzeuge.

Information / Education

Das Programm hat zum Ziel, Umweltwissen zu vermitteln, das Verständnis für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums zu fördern und Partnerschaften in den Bereichen nachhaltige Entwicklung und Ökologie zu stärken.

Die Vermittlung der ökologischen Kenntnisse erfolgt durch die Entwicklung und Verbreitung thematischer Bildungsmaterialien, Workshops und die Bereitstellung weiterer Ressourcen für Schulen, Lehrkräfte und ländliche Gemeinden. Inhaltliche Schwerpunkte sind Biodiversität, Landwirtschaft und erneuerbare Energien.

Durch die Teilnahme und Präsentation der Aktivitäten an verschiedenen internationalen Foren und Konferenzen sowie die aktive Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden, den Vereinten Nationen und diplomatischen Vertretungen wird die Sichtbarkeit belarussischer Umweltinitiativen verbessert.