Solarstrom für verletzliche Einrichtungen

Seit einigen Wochen erhält Green Cross Switzerland (GCCH) vermehrt Anfragen nach Unterstützung bei der Installation von Solaranlagen aus den frontnahen Regionen Sumy, Charkiw und Tschernihiw. Die Anfragen kommen von medizinischen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten, die oft bis zu 19 Stunden ohne Strom auskommen müssen.

Wie die Unterstützung durch GCCH für solche Einrichtungen einen massiven Unterschied machen kann, möchten wir Ihnen am Beispiel des Kindergartens «Lisova Kazka» («Waldmärchen-Kindergarten») in Tschernihiw aufzeigen.

Im Verlauf des Ukrainekrieges hat die Frage der unabhängigen Stromversorgung eine zentrale Bedeutung angenommen. Häufige Stromausfälle stellen gerade für Kindergärten wie «Lisova Kazka» eine besondere Herausforderung dar, da die Kinder besonders anfällig sind für die Schrecken des Krieges und deshalb noch stärker als Erwachsene auf Wärme und Licht angewiesen sind. Es ist zentral, dass sie sich sicher fühlen können.

Deshalb haben wir im Kindergarten „Lisova Kazka“ eine Solaranlage mit einer Leistung von 50 kW installiert. Davon profitieren nun rund 250 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren sowie 30 Pädagog:innen und 37 weitere Mitarbeitende. Die Abhängigkeit vom zentralen Stromnetz ist jetzt stark reduziert. Solange das Stromnetz läuft, können die ebenfalls installierten Speicher sowohl mit Solarstrom als auch mit Netzstrom aufgeladen werden. Somit hat der Kindergarten gleich zwei Möglichkeiten, um Stromausfälle zu überbrücken.

Warum hat sich GCCH dazu entschlossen, gerade diesen Kindergarten zu unterstützen?

Die Stadt Tschernihiw steht unter ständigem Beschuss. Stromausfälle von bis zu 12 Stunden sind derzeit keine Seltenheit. Die gleichnamige Region ist zudem besonders arm und war schon vor dem Krieg von der Tschernobylkatastrophe gezeichnet. Sie bildet deshalb einen Schwerpunkt unserer Arbeit.

Hinzu kommt, dass sich der Kindergarten speziell um Kinder mit besonderen Bedürfnissen kümmert, die oft besonders sensibel auf die Schrecken des Krieges reagieren und in einer eigenen Gruppe betreut werden. Auch gibt es spezialisierte Gruppen für Kinder mit Sprachstörungen. Oft müssen die Kinder aufgrund von Luftalarmen über mehrere Stunden in Schutzräumen ausharren. Dank der erneuerbaren Energielösung müssen sie nun weniger Angst haben.

Während Kampfhandlungen wurde der Kindergarten beschädigt. Dank der Unterstützung durch die Bildungsbehörde und verschiedene Hilfsorganisationen, darunter auch GCCH, konnten umfangreiche Wiederaufbauarbeiten durchgeführt werden: Austausch der Fenster, Modernisierung der Heizungsanlage, Renovierung der Gruppenräume, Einrichtung von Schutzräumen und eines neuen Spielplatzes.

Die Installation der Solaranlage mit Stromspeicher war der nächste logische Schritt auf dem Weg zu Energieunabhängigkeit, verbesserter Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung. Heute kann der Kindergarten ohne Unterbrechung arbeiten und den Kindern Wärme, Licht, ausgewogene Mahlzeiten und eine stabile Lernumgebung bieten – auch während Stromausfällen.

Für die Leiterin des Kindergartens, Nataliia Prymakova, bedeutet diese Lösung „die Gewissheit, dass wir selbst an den schwierigsten Tagen weiter für unsere Kinder da sein können. Sonnenenergie ist eine saubere Quelle des Lebens – sie schenkt unseren Kindern Licht, Sicherheit und Hoffnung.»

Darüber hinaus trägt das Projekt zur Förderung des Umweltbewusstseins in der Gemeinde bei und vermittelt den Kindern schon früh ein Verständnis für die Bedeutung erneuerbarer Energien.

Angesichts der stark gestiegenen Dringlichkeit möchten wir diesen Einsatz nun weiter ausbauen und weitere verletzliche Einrichtungen in frontnahen Regionen mit erneuerbaren Energielösungen ausstatten. Gerade in der Weihnachtszeit und inmitten dieses erneut sehr schweren Winters wird die Solidarität von Philanthropinnen und Philanthropen wie Ihnen zu einem wertvollen Lichtblick und zu einem echten Geschenk für die Menschen in der Ukraine.

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