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11.01.2024

Weihnachts- und Neujahrsgeschenke für Kinder in der Ukraine

Weihnachts- und Neujahrsgeschenke für Kinder in der Ukraine

Während viele Kinder in der Schweiz sich auf Weihnachten und somit auch auf Geschenke freuen konnten, ist die Situation für zahlreiche Jugendliche und Kinder in der Ukraine leider nicht dieselbe. Der Krieg ist allgegenwärtig und jüngere Menschen leiden besonders an den Auswirkungen der kriegerischen Handlungen. Vielfach ist es auch für die Betroffenen schwierig die aussergewöhnliche Situation nachvollziehen bzw. einordnen zu können.

Der Einsatz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist für Green Cross Switzerland bereits lange ein Anliegen. Das Engagement für junge Menschen während des Krieges wurde relevanter denn je. 

Damit auch während des Krieges ein Stück Normalität und einen Moment des sorglosen Alltags herrschen kann, offerierte Green Cross Switzerland deshalb zwischen den Weihnachts- und Neujahrstagen bis Januar 2024 600 Geschenke an Kinder und Jugendliche in verschiedenen Schulen und Kindergärten innerhalb der Ukraine. Jedes dieser Geschenke enthielt ein Spielzeug sowie verschiedene Süssigkeiten. Die Geschenke sollen Halt und Sicherheit erwirken aber auch erinnern, dass es Perspektiven für eine hoffnungsvolle Zukunft gibt.

Auch im Jahr 2024 wird unsere Stiftung die Arbeit in der Ukraine fortsetzen, wobei verschiedene weitere Schwerpunkte gesetzt werden. Die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen wird ein wichtiger Aspekt der humanitären Hilfe sein, damit wir auch in diesem Jahr den Alltag weiterer jungen Menschen in der Ukraine etwas aufhellen können. Angesetzt sind u.a. Angebote zur psychologischen Unterstützung und Bewältigung der Kriegsereignisse.

13.12.2023

Solarenergie in der Ukraine

Solarenergie in der Ukraine

Solarenergie ist in der Ukraine kein neues Thema, sondern hat in den letzten Jahren im Staat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dies geht aus einem gemeinsamen, 2021 veröffentlichten Statusbericht von der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) und dem Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21) hervor. In der Studie wurde die erneuerbare Energie in 17 Staaten in Osteuropa, dem Kaukasus, Zentralasien und Südosteuropa zwischen 2017 und 2021 untersucht. Es wird festgehalten, dass die Kapazität erneuerbarer Energie in der Region wesentlich gestiegen (um 21 Gigawatt = 1 Milliarde Watt, auf 106 GW) ist, wobei die Photovoltaik mit 58% der grösste Zubau ausmachte. Die Autor:innen stellen fest, dass in der Ukraine die erneuerbare Energie besonders stark zulegen konnte.

Ukraine auf gutem Weg, Ausbaumöglichkeiten sind aber vorhanden

Der Zuwachs an Wind- und Solarenergie war aus den 17 Staaten (u.a. Ukraine, Russland und Kasachstan) in der Ukraine mit mehr als 8 GW am höchsten. Das Land lag mit umgerechnet 3.4 Milliarden US-Dollar weltweit auf dem 17. Platz in Bezug auf die Investitionen in erneuerbare Energie. Die Solarenergie wird dabei im Inland auf Freiflächen und auch in privaten Haushalten gefördert. Die öffentlichen und privaten Investitionen sind in der Region aber eher bescheiden. Während z.B. in der EU die Investitionen in die Ökoenergie 2018 bei mehr als 55 Milliarden US-Dollar lagen, betrugen die eingesetzten Gelder in die erneuerbare Energie in der untersuchten Region im gleichen Jahr ca. 7.2 Milliarden US-Dollar. Auch ist die Ukraine nach dem UNECE weiterhin stark von fossilen Brennstoffen abhängig, die im Jahr 2020 70% der Primärenergieversorgung ausmachten.

Russische Invasion in die Ukraine und Beschädigung der Infrastruktur

Durch die Invasion der russischen Armee in die Ukraine wurde zudem die Erzeugung erneuerbarer Energie stark eingeschränkt. Laut dem Bericht waren im Juni 2022 90% der bisherigen Windenergiekapazität sowie 30% der Solar-Leistung nicht mehr im Betrieb.

Die gezielte Zerstörung der Infrastruktur traf somit nicht nur die ukrainische Energiebranche, sondern vor allem auch Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Bis zum Oktober 2023 wurden mehr als 4000 Bildungsstätten und Gesundheitsinstitutionen beschädigt, mehr als 150‘000 Wohngebäude zerstört. Dass demnach auch die Stromversorgung stark gefährdet ist, liegt auf der Hand.

Die Wiederherstellung der Stromversorgung durch Photovoltaik bietet sich deshalb auch als Chance für das Land an. Der Krieg erlaubt derzeit aber keine weiteren Entwicklungen der Solarindustrie in der Ukraine, sondern muss sich hauptsächlich auf das Überleben konzentrieren. Die Unterstützung der Ukraine in der Aufrechterhaltung der Solarenergie wird bereits vorangetrieben. So hat z.B. der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW) unter der Spendenaktion „Solar hilft“ eine Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Schule in Irpin unterstützt. Zudem hat das BSW zusammen mit SolarPower Europe und der Ukrainian Solar Energy Association (ASEU) das Ziel mit weiteren Spendenaktionen, den durch den Krieg immer wieder auftretenden Stromunterbrüche in Schulen und Krankenhäusern mit Solarenergie entgegenzuwirken.

Potenzielles Szenario der erneuerbaren Energieversorgung bis 2050

Das UNECE schätzt das Potenzial der Bioenergie, Wasser-, Sonnen- und Windenergie in der Ukraine als besonders hoch ein und diese könnten in Zukunft die Bausteine des Energiesystems der Ukraine sein und bis 2050 ca. 80% zur gesamten Energieerzeugung beitragen. Es bleibt vor allem auch nach einer zukünftigen Beendigung des Krieges die Herausforderung grössere Investitionen und Strategien zielgerecht umzusetzen.  Es steht aber fest, dass zusammen mit der Kernenergie, die erneuerbaren Energien die Ukraine in eine kohlenstoffneutrale Zukunft führen können.

Green Cross Switzerlands Einsatz für erneuerbare Energien

Ein nachhaltiger, auf wissenschaftlicher Erkenntnis beruhender Umgang mit unserem Planeten ist für Green Cross Switzerland seit der Gründung wichtig und hat in den letzten Jahren weiter an Bedeutung gewonnen. Deshalb planen wir im nächsten Jahr, 2024, gezielt die erneuerbare Energieversorgung in der Ukraine zu fördern und zu unterstützen. Ziel ist die Unterstützung der Bevölkerung mit erneuerbaren Energien in Gebieten, die unmittelbar vom Krieg betroffen sind und andererseits die nahe der Tschernobyl-Nuklearkatastrophe gelegene Region.

 

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

 

07.12.2023

Ehrenamtliches Expertenteam auch im Herbst 2023 wieder in Vietnam im Einsatz

Ehrenamtliches Expertenteam auch im Herbst 2023 wieder in Vietnam im Einsatz

Seit 2004 setzen sich Schweizer Orthopädist:innen und Ärzt:innen ehrenamtlich in Kooperation mit Green Cross Switzerland für Betroffene von «Agent Orange» ein und reisen für gewöhnlich ein bis zweimal im Jahr nach Vietnam. Die Schweizer Spezialist:innen arbeiten eng mit dem lokalen Fachpersonal zusammen, bilden sie weiter und tauschen Erfahrungen aus. Das Fachwissen wird auch an dem Ausbildungszentrum für Orthopädietechniker:innen (Vietcot) in Hanoi durch die Schweizer Expert:innen vermittelt. Green Cross Switzerland unterstützt dabei das Expertenteam mit Infrastruktur, Material und bei der Logistik.

Auch im Herbst 2023 wurde wieder eine Reise nach Vietnam organisiert, an welcher die Orthopädisten Dr. med. h.c. Daniel Hueskes und Benjamin Hueskes sowie die Ärtz:innen Dr. med. Jiri Skarvan und  Dr. med. Christiane Brinkmann teilnahmen. In einem zweiwöchigen Aufenthalt besuchten sie auch das Vietcot. Die Ärzt:innen führten Anamnesen, Untersuchungen und Behandlungen vorwiegend an Kinder und Jugendlichen durch. Mit dem längeren Besuch konnte auch wieder lokales Fachpersonal entsprechend instruiert werden. Neben der Visite des Vietcots unternahm das Team auch Besichtigungen von lokalen Krankenhäusern in Hanoi oder Thai Nguyen.

Hilfe vor Ort

Während dieser Zeit wurden 11 PatientInnen im Vietcot und 15 PatientInnen im Kinderkrankenhaus in Vinh, die an Zerebralparesen oder anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats leiden oder Klumpfüsse besitzen, erfolgreich von den Schweizer Spezialist:innen untersucht. Da insbesondere auch der Wissenstransfer beim Vietcot (Ausbildungszentrum) eine zentrale Rolle für die weitere Professionalisierung des Gesundheitspersonals spielt, nahmen an den Untersuchungen auszubildende Orthopädist:innen oder Pfleger:innen der Ausbildungsstätte teil. Zusätzlichen führten Benjamin Hueskes (CPO-D) und Cedric Pischel (OT) ein Prothetik Seminar für Orthopädietechniker:innen durch. Im 5-tägigen Seminar wurden 5 PatientInnen mit Prothesen von den Seminarteilnehmer versorgt. In Thai Nyguen wurden neben den 21 Untersuchungen 9 Operationen durchgeführt und 4 Kinder mit Prothesen und Orthesen versorgt.

Die Kooperation mit dem ehrenamtlichen Expertenteam ist für Green Cross Switzerland besonders wertvoll. Neben dem Einsatz für Betroffene von Agent Orange dient das Team auch als Bindeglied zu lokalen Partnern oder Gesundheitseinrichtungen und dem internationalem Wissenstransfer. Green Cross Switzerland bedankt sich herzlich für diese langjährige Zusammenarbeit und freut sich, Dr. med. h.c. Daniel Hueskes und Dr. med. Claude Müller im Oktober 2023 ins Patronat aufgenommen zu haben.

31.10.2023

Green Cross Switzerlands Charity-Dinner

Green Cross Switzerlands Charity-Dinner

Am Freitag, dem 27. Oktober, fand das Charity-Event von Green Cross Switzerland in Zürich statt. Spenderinnen und Spender, Interessierte, Freiwillige und Partnerorganisationen erhielten durch unseren CEO und Nationalrat Martin Bäumle Einblicke in die Projektarbeit in der Ukraine und Vietnam.

Neben einer ausführlichen Darstellung der aktuellen humanitären Arbeit in der Ukraine wurde auch ein Bericht über die Lieferung von Wasseraufbereitungssystemen in den kriegsbetroffenen Staat präsentiert. Anschliessend wurde die Projektarbeit in Vietnam vorgestellt. Zum Abschluss wurden Dr. med. Claude Müller und Dr. h. c. Daniel Hueskes für ihre langjährige Zusammenarbeit geehrt, und als Dankeschön für ihren ehrenamtlichen Einsatz wurde ihnen eine Ehrenauszeichnung überreicht.

Green Cross Switzerland möchte sich herzlich bei allen Gästen für ihre Teilnahme bedanken, denn ohne Ihre Hilfe, liebe Spenderinnen und Spender, Freiwillige, Interessierte und Partnerorganisationen, wäre dieser Abend undenkbar gewesen.

17.10.2023

Weitere Hilfeleistungen für die Ukraine

Weitere Hilfeleistungen für die Ukraine

Die Kriegshandlungen vor allem im Süden der Ukraine sind auch im zweiten Halbjahr von 2023 allgegenwärtig und ein Ende ist nicht in Sicht. Während an den Fronten Soldat:innen unter Dauerbeschuss stehen, befindet sich die ukrainische Bevölkerung in einer prekären Lage. Die Menschen sind vor verschiedene Probleme gestellt, weshalb sie allein nicht bewältigen können und auf Hilfe angewiesen sind. Green Cross Switzerland unterstützt deshalb die Opfer des Krieges mit einer Palette an pragmatisch angelegten und regional angepassten, schnellen Hilfeleistungen, die auf unterschiedlichen Ebenen des Alltags wirken und eine Verbesserung der Situationen zum Ziel haben.

Seit der russischen Invasion im Februar 2022 fokussierte sich Green Cross Switzerland auf die Lieferung humanitärer Güter und vor allem seit Ende desselben Jahres auf die Bereitstellung von Wasseraufbereitungssystemen, welche dreckiges oder kontaminiertes Wasser reinigen können.

Daneben ist jedoch der Einsatz für Kinder seit vielen Jahren ein Kernanliegen unserer Stiftung. Denn zuvor hat die Stiftung noch diverse Therapiecamps für Kinder, die durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl betroffen sind, in der Ukraine oder Belarus veranstaltet. Dieser Fokus auf die Unterstützung von Kindern wird deshalb fortgesetzt, da Kinder und Jugendliche kriegerischen Handlungen häufig ausgesetzt sind.

Neue Hilfeleistungen für die Opfer des Krieges zur Verfügung gestellt

Jetzt konnten im Verlauf des Sommers und im September mehr als 200 Kinder der Region Tschernihiw durch die Hilfeleistungen Rucksäcke erhalten. Die Rucksäcke stehen symbolisch für die Chance auf einen gewissen geregelten Schulalltag; fern – so gut wie möglich – von den Kriegshandlungen, sollen sie zum ersten Schultag einladen und den Kindern die Möglichkeit geben ihre persönlichen Gegenstände und Schulbücher zu transportieren.

Ebenfalls wurde ein Krankenhaus bzw. Rehabilitationszentrum in Tschernihiw für Kinder mit Beeinträchtigungen von Green Cross Switzerland unterstützt. Zahlreiche der dort behandelten Kinder haben Verletzungen an ihrem Bewegungsapparat sowie am zentralen oder peripheren Nervensystem. Mittels der zur Verfügung gestellten Bewegungsgeräten kann die Grob- und Feinmotorik von Kindern und Jugendlichen nachhaltig trainiert und verbessert werden. In derselben Stadt wurde ein Kindergarten mit Stühlen und Betten ausgestattet, wodurch die Infrastruktur verbessert und den Kindern Möglichkeiten gegeben wurden, sich wie zuhause zu fühlen. Auch konnte ein Stromgenerator zur Verfügung gestellt werden, der trotz Stromausbrüchen den Köchinnen hilft, eine warme Mahlzeit für die Kinder vorzubereiten.

Green Cross Schweiz hat 31 moderne orthopädische Matratzen an das Zentralkrankenhaus Ripky übergeben sowie weitere an ein Aufenthaltszentrum für Obdachlose und zwei kleinere Krankenhäuser. Der amtierende Generaldirektor des Spitals in Ripky äusserte seine Dankbarkeit und meinte, dass durch die Lieferung die Bedingungen für einen Aufenthalt verbessert werden.

Weitere Hilfsangebote für den Spätherbst geplant

Für den Herbst und Winter sind wieder weitere Hilfeleistungen geplant. So wird z.B. Saatgut an Menschen ausgegeben. Der Fokus wird auf die Lieferung von Wasseraufbereitungssystemen gelegt.

Green Cross Switzerland möchte sich herzlich bei Ihnen, liebe Spenderinnen und Spender bedanken, dass Sie weiterhin unsere Arbeit unterstützen und den Menschen in der Ukraine Hoffnung auf eine Zukunft schenken.

03.10.2023

Wassersituation in Burkina Faso

Wassersituation in Burkina Faso

Seit vielen Jahren herrschen im ostafrikanischen Land Burkina Faso grosse Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Diese Extremsituation hat verschiedene Gründe, wobei die meisten durch menschliche Aktivitäten verursacht wurden und werden.

Die Niederschläge im Land haben stetig abgenommen; es wird davon ausgegangen, dass im Sahelstaat nur noch ein Drittel so viel Regen wie vor 70 Jahren fällt. Die Temperaturen steigen wesentlich schneller und die Trockenzeiten sind länger. Dürren führen u.a. dazu, dass Gewässer vermehrt austrocknen oder zumindest stark rückläufig sind. Da 85% der Bevölkerung von Viehzucht und Landwirtschaft lebt, hat dies nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft, sondern durch den Wassermangel kommt es zunehmend zu Konflikten zwischen den Bauern und Anwohner:innen.

Bewaffnete Konflikte verschärfen die Wasserversorgung

Auch die unsichere, politische Lage trägt zur Wasserknappheit bzw. Wasserversorgung in Burkina Faso zu. Nachdem das Militär den langjährigen Präsidenten Blaise Campaoré 2014 entmachtete, kam es seit diesem Jahr immer wieder zu erfolgreichen Putschversuchen, wobei der letzte Ende September 2022 stattfand. Lokale Milizen, sowie regionale Ableger der Terrororganisationen IS und von Al-Qaida destabilisieren die Lage weiter, indem sie Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder kidnappen, ermorden oder vertreiben. Bisherige Fortschritte in der Verbesserung der Trinkwasserversorgung, werden durch Angriffe auf Wasseranlagen – als Taktik zur Vertreibung von Menschen – gefährdet. Aufgrund von bewaffneten Konflikten und der politischen Instabilität haben zu dieser Zeit mehr als 830.000 Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die mangelnde Wasserversorgung wird leider durch das hohe Potenzial der Unterernährung und durch Krankheiten weiter ergänzt. Ein zentraler Teil der Bevölkerung ist deshalb auf humanitäre Hilfe angewiesen; UNICEF schätzt, dass über 5 Millionen Menschen (Davon 3.2. Millionen Kinder), d.h. ein Viertel der Gesamtbevölkerung entsprechende Hilfeleistungen benötigt. Über 2 Millionen Menschen mussten aufgrund der zunehmenden Gewalt flüchten.

Wasserversorgung als Thema auf der internationalen Bühne

An der UN-Wasserkonferenz 2023 vom 22. bis 24. März in New York wurde deshalb die mangelnde Wasserversorgung in verschiedenen, vorwiegend afrikanischen Staaten zum Thema gemacht. Denn der Zugang zu sauberem Wasser und entsprechenden sanitären Angeboten ist ein Menschenrecht und ist eines der in der Agenda 2030 festgelegten 17 UN-Zielen für die nachhaltige Entwicklung. UNICEF fordert u.a. eine schnelle Erhöhung der Investitionen in die Hygiene-, Wasser- und Sanitärversorgung und eine Fokussierung derjenigen Gebiete, die von den Wasserkrisen am stärksten betroffen sind durch Hilfsprogramme und politische Richtlinien.

Green Cross Switzerlands Einsatz in Burkina Faso

Im Rahmen des Wasser-Leben-Frieden Projekts von Green Cross Switzerland hat die Stiftung über Jahre hinweg beim Aufbau von Strukturen und beim Wissenstransfer über Wassermanagement, um Konflikten aus der Verknappung von Wasser in Burkina Faso vorzubeugen, mitgeholfen. Wasser-Leben-Frieden verfolgte als Projekt das Ziel, die Wasserversorgung durch Ausbildung von Betroffenengruppen oder technischen Interventionen in wasserarmen Gebieten zu fördern und das häufig verschmutzte Wasser zu säubern. Als Beispiel wurde in der Gemeinde Nagréongo ein Projekt Wiederherstellung des Bodennutzungspotenzials von Agraranbauflächen und von Bewässerungsinfrastrukturen realisiert.

Weitere Informationen finden Sie hier:

28.08.2023

Giftgasangriff auf Halabja, Irak 1988 – Langzeitfolgen bis heute

Giftgasangriff auf Halabja, Irak 1988 – Langzeitfolgen bis heute

Auch 35 Jahre nach dem Giftgasangriff auf die irakisch-kurdische Stadt Halabja im Osten des Landes, wird die lokale Bevölkerung durch das Ereignis bis heute geprägt. Am 16. März 1988 warfen irakische Flieger unter dem Regime von Saddam Hussein im Rahmen der Anfal-Offensive Senfgas und andere chemische Kampfstoffe über Halabja ab. Die Giftgaskampagne (Anfal-Offensive), die sich gegen kurdische Städte und Dörfer zwischen 1987-1988 richtete, war eine genozidale Massnahme, wobei die Offensive Halabja am härtesten traf. An diesem Tag starben mindestens 5‘000 der damaligen 40‘000 Einwohner:innen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – an den Folgen des Giftgasangriffes. Weitere 7‘000 bis 10‘000 Menschen starben entweder an den Folgen der Verletzungen oder erlitten dauerhafte Gesundheitsschäden.

Noch heute leidet die Bevölkerung an den Folgen des Angriffs. Schwere Atemnot, Krebs, Missbildungen bei Neugeborenen, Totgeburten, Haut- und Augenkrankheiten, Unfruchtbarkeit und psychische Störungen treten in den betroffenen Regionen in einem erhöhten Mass auf. Die Region um Halabja ist eine der ärmsten Teile der Autonomieregion von Kurdistan. In vielen Dörfern und Siedlungen fehlt es an sauberem Wasser, an einer genügenden Gesundheitsversorgung und an entscheidender Infrastruktur.

 

Green Cross Switzerlands Engagement in Halabja und Umgebung

Green Cross Switzerland war über mehrere Jahre im Irak mit der Arbeit an Projekten aktiv. Zusammen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützte Green Cross Switzerland seit 2008 fünf Jahre die im Nordirak tätige Entwicklungsorganisation WADI e.V. bei der Umsetzung von verschiedenen Projekten.

Einer der Schwerpunkte der Aktivitäten von Green Cross im Irak waren die mobilen Teams, welche die Dörfer der betroffenen Region regelmässig besuchten und der lokalen Bevölkerung mit medizinischer Betreuung und Beratung zur Seite standen. Zentral waren auch die Trainings- und Aufklärungskurse, an denen Frauen Wissen zu Frauenrechte, Gesundheitsprobleme, Kindererziehung und über die Langzeitwirkung von Giftgas auf den Menschen vermittelt bekamen. Um den Kindern eine bessere Perspektive zu geben sowie Hygiene und andere wichtige Themen auf spielerische Weise näher zu bringen, zirkulierten mobile Spielbusse zwischen den Dörfern. Mit einer Bibliothek, Musikinstrumenten und vielen Spielen, begleitet von Sozialarbeiterinnen und Gesundheitsfachleuten, half der Green-Cross-Spielbus Kindern in der vom Giftgasangriff traumatisierten Kurdenregion.

Erfahren Sie mehr zum Thema hier:

08.08.2023

Internationaler Agent Orange Gedenktag

Internationaler Agent Orange Gedenktag

Am 10. August erinnert die Welt an die Opfer, die durch den Einsatz des Entlaubungsmittel «Agent Orange» während am gleichen Tag des Jahres 1961 bis 1971 getroffen und beeinträchtigt wurden. Inmitten des Vietnamkries setzten US-amerikanischen Truppen das Herbizid ein, um Verstecke der nordvietnamesischen Armeen aufzudecken, welche durch den Dschungel geschützt waren. Andererseits wurde mit der hochgiftigen Substanz versucht, das Getreide zu zerstören, welches Armeeangehörige ernähren konnte.

Agent Orange hatte eine aggressive Wirkung auf die Betroffenen und die Umwelt vor Ort. Die Nachwirkungen des Einsatzes sind bis heute spürbar. Denn bereits kleine Mengen eines Bestandteils von Agent Orange, Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) genannt, können zu Krebs, Organschäden oder Fehlbildungen bei Kindern führen. Bei den Vietnames:innen gilt die Exposition gegenüber Agent Orange dementsprechend als Ursache für eine ungewöhnlich hohe Zahl von Fehlgeburten, Hautkrankheiten, Krebserkrankungen, Geburtsfehlern und angeborenen Missbildungen, die seit den 1970er Jahren auftreten.

Die Vietnamese Association of Victims of Agent Orange geht davon aus, dass es mehr als drei Millionen Opfer durch Agent Orange gibt, sowie hunderttausende Vietnames:innen und amerikanische Armeeangehörige an den Spätfolgen des Herbizids leiden. Die USA haben bisher nur kleine Beiträge zur Verbesserung der Situation geleistet; die Unterstützung gilt in erster Linie ihren eigenen Veteran:innen.

Damit die Konsequenzen für Opfer von Agent Orange nicht in Vergessenheit geriet, führte Vietnam den Agent Orange Gedenktag ein, der von vielen NGOs, sozialen Institutionen oder Einzelpersonen getragen wird. Es ist auch eine Gelegenheit für verschiedene Gemeinschaften – von Vietnames:innen, über amerikanische Soldat:innen bis hin zu Familienmitgliedern derjenigen, die ihr Leben verloren haben – zusammenzukommen, um all jene zu unterstützen, die weiterhin unter den Auswirkungen von Agent Orange leiden.

Green Cross Switzerland engagiert sich deshalb seit mehr als 20 Jahren für die Opfer von Agent Orange und versucht das Leid der Betroffenen zu lindern. Aus diesem Grund setzt sich Green Cross Switzerland auch für den Agent Orange-Tag ein und möchte allen Opfern des Entlaubungsmittels gedenken. Der Einsatz für die Betroffenen wird auch weiterhin ein wichtiges Ziel in der Arbeit der Stiftung sein.

19.07.2023

Sri Lankas Kampf um den Abfall

Sri Lankas Kampf um den Abfall

Menschverursachte Missstände betreffen vor allem auch unschuldige Lebewesen. In Sri Lanka haben sich über Jahre hinweg grosse Abfallmengen auf Müllhalden angesammelt. Weil es aber auch die Lebensräume von Elefanten beschneidet, essen die Säugetiere unbeabsichtigt teilweise den Plastikmüll, vor allem Einwegkunststoffe. Denn der Müll ist für viele Elefanten frei zugänglich; über 50 offene Mülldeponien gibt es in Sri Lanka. Keine Absperrungen hindern die Tiere daran, Nahrung auf den Deponien zu suchen.

Dieser Verzehr hat schwerwiegende Konsequenzen für die Tiere: jährlich sterben über fünf Elefanten an den Folgen des Plastikkonsums. Diese Tatsache konnte durch Fachleute anhand von Autopsien der Tiere festgestellt werden. Elefanten sind in Sri Lanka bereits vom Aussterben bedroht; ca. noch 6‘000 wilde Elefanten leben auf der Insel.

Zudem werden Flaschen, Verpackungen und Tüten dafür verantwortlich gemacht, dass sie die Abflüsse verstopfen und Überschwemmungen in Städten verursachen sowie einen Anstieg des potenziell tödlichen Dengue-Fiebers begünstigen, welches von Moskitos verbreitet wird, die in Stagnationswasser brüten.

 

Schutz der Elefanten durch Verbot von Einwegplastik

Die Regierung von Sri Lanka versuchte auf diese Tatsachen zu reagieren, indem sie seit Juni 2023 die Herstellung und den Verkauf von Einwegplastik verboten hat. Bereits vor sechs Jahren wurde der Verkauf von Plastiktüten aus nicht biologisch abbaubarem Plastik untersagt. Jetzt wird es erweitert; der Vertrieb von z.B. Plastikbesteck, Cocktail Shakern, Plastikgeschirr ist nun strafbar.

Umweltschützer:innen bezweifeln, ob die Gesetze helfen. Versuche den Müll einzudämmen gab es bereits zuvor, aber auch dann wurden die Erlasse weitgehend ignoriert, indem Herstellerfirmen weiterhin gewisse Plastikartikel produzierten.

Durch die Ende 2021 einsetzende Wirtschaftskrise hat sich die Müllproblematik weiter verschärft. Der Müll begann sich zu türmen, da es den Müllwagen an Treibstoff mangelte.

 

Müllproblematik auch für Menschen gefährlich

Im südasiatischen Land mit 22 Millionen Einwohner:innen fallen jährlich mehr als 1.5 Millionen Tonnen Plastikmüll an, von denen die Hälfte in Kanälen, Flüssen und schliesslich im Indischen Ozean landet. Zudem wird nur drei Prozent des Plastikmülls recycelt. Laut einer Studie des Zentrums für Umweltgerechtigkeit gehe 15% des Mülls auf Einwegkunststoffe (z.B. Strohhalme, Lebensmittelverpackungen, Tüten) zurück. Diese grosse Menge an Plastikmüll und die Tatsache, dass dieser nicht fachgerecht entsorgt wird, korreliert mit dem Anstieg an Fällen des Dengue-Fiebers: von 35‘000 Fällen 2021 auf 77‘000 Fälle im Jahr 2022.

Die Gesetze sollen nun einen Beitrag zur Müllproblematik im Land leisten, sodass hoffentlich keine Elefanten mehr zusätzlich sterben müssen und weniger Menschen durch das Fieber betroffen werden.

Erfahren Sie mehr zur Thematik hier:

19.07.2023

Rückblicke in die Projektarbeit von Green Cross Switzerland

Rückblicke in die Projektarbeit von Green Cross Switzerland

Seit der Gründung von Green Cross Switzerland 1994, hat die Projektarbeit eine wichtige Stellung im Selbstverständnis der Stiftung. Die Projektarbeit wurde auf Prinzipien und Werten von Green Cross Switzerland aufgebaut und mit diesen fusioniert: Die schnelle und direkt wirksame Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort, die pragmatisch angelegt, wissenschaftlich fundiert und auf Mediation mit konkreten Lösungsfindungen basiert. Die Stiftung legte immer auch Wert darauf, Kontakte zu anderen Partnerorganisationen und Firmen vor Ort aufzubauen, sodass die Hilfeleistungen und Projektarbeit regional stärker verankert werden konnten. Die enge Kooperation mit Firmen und Organisationen vor Ort wurde zu einem zentralen Merkmal der Projektarbeit und dem Selbstverständnis von Green Cross Switzerland. Der Fokus der Projektarbeit begann sich nach der Gründung schnell herauszukristallisieren: Regionen, welche durch menschgemachte Katastrophen betroffen sind.

 

Hilfe für Betroffene der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl

Bereits 1995 startete Green Cross Switzerland erste Projekte in den Gebieten, die durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl betroffen waren. Dazu führte die Stiftung das sogenannte SOCMED-Programm (Social and Medical Care and Education) ein, welches das Ziel hatte, die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung längerfristig zu verbessern und gleichzeitig Weiterbildungs- und Informationsangebote für Pflegefachpersonen aber auch Betroffene bereitzustellen. SOCMED war federführend für alle kommenden Projekte in Ländern wie Vietnam, der Ukraine oder Belarus.

Im Rahmen dieses Programms wurden fortführend in Russland, der Ukraine und Belarus Therapiecamps durchgeführt. In diesen Camps wurden vor allem Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen durch Ärzt:innen, Therapeut:innen, Lehrer:innen und Pädagog:innen betreut und unterrichtet. Es wurden auch soziale Aktivitäten organisiert, um die Kreativität, ökologisches Bewusstsein und ein Gemeinschaftsgefühl zu fördern. Ebenfalls konnte damit begonnen werden, Familienclubs einzurichten, die zur Initialisierung der Selbsthilfe für Mütter untereinander dienten. Damit vor allem auch Frauen ein selbstbestimmteres Leben führen konnten, wurden Kurse oder Weiterbildungen angeboten, die im Einklang mit den Familienclubs waren.

 

Einsatz für Opfer von Agent Orange

Auch in Vietnam konnte noch im 20. Jahrhundert Projekte organisiert werden, indem Betroffene des während des Vietnamkriegs versprühte Herbizid, Agent Orange unterstützt wurden. Green Cross Switzerland baute ein Informations- und Präventionsprogramm für Betroffene, aber auch für die vietnamesische Öffentlichkeit auf. Zudem begann es das 1997 gegründete Vietcot, eine Aus- und Weiterbildungsinstitution für Orthopädietechniker:innen, zu unterstützen, damit Kinder mit orthopädischen Hilfsmitteln versehen, eigenständig Schulen und Ausbildungen besuchen konnten.

 

Vielfältige Projekte in verschiedenen Ländern

Die geschilderten Projekte und Unterstützungsleistungen sind ein Bruchteil der Arbeit von Green Cross Switzerland in den vergangenen 20 Jahren. Weitere Projekte wurden in Nationalstaaten durchgeführt, die nicht zu den Kernländern der Stiftung gehörten. In Burkina Faso hat Green Cross Switzerland zusammen mit dem Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) beim Aufbau von Strukturen und beim Wissenstransfer über Wassermanagement, um Konflikten aus der Verknappung von Wasser vorzubeugen, mitgeholfen. Im Irak unterstützte die Stiftung mit der Gesellschaft für bedrohte Völker mobile Teams, welche Opfern des Giftgasangriffs auf die Stadt Halabja während des ersten Golfkrieges durch Saddam Husseins Truppen mit medizinischer Betreuung und Beratung aushalf. In Fukushima, Japan organisierte Green Cross Switzerland Sommercamps für Kinder und Jugendliche und Familienclubs, in welchen die Menschen zur Strahlenbelastung des AKWs in Fukushima informiert und Alltagsaktivitäten für die Kinder durchgeführt wurden. Die Stiftung konnte in diesen Ländern wertvolle Erfahrungen sammeln, die sie für die Zukunft nutzen kann.

Stets war die Zielsetzung der «Hilfe zur Selbsthilfe» in allen Projekten eine wichtige Prämisse. Es zeigte sich, dass nachhaltige Strukturen vor Ort aufgebaut werden konnten, die bis heute bestehen und durch die derzeitigen Projektarbeiten weiter gestärkt werden.